Dienstag, April 14, 2009

Phil Spector wegen Mordes für Schuldig befunden

Der legendäre US-Musikproduzent Phil Spector ist in einem zweiten Mordprozess schuldig gesprochen worden. Nach Meinung der Geschworenen hat der frühere Beatles-Produzent die Schauspielerin Lana Clarkson „mit bedingtem Vorsatz“ ermordet.



LOS ANGELES - Das genaue Strafmaß soll Ende Mai verkündet werden. Dem Waffennarr Spector droht eine Haftstrafe von bis zu 18 Jahren. Der 69-Jährige war angeklagt, die 40-jährige Clarkson im Februar 2003 in seinem Schloss "Pyrenees Castle" erschossen zu haben, nachdem sie ihn zurückgewiesen hatte. Spector stritt dies bis zuletzt zurück und behauptete, die Frau habe sich in seinem Haus selbst das Leben genommen. Ein erster Prozess war im September vorletzten Jahres nach einem sechsmonatigen Verfahrensmarathon gescheitert, weil sich die Geschworenen nicht auf ein einstimmiges Urteil einigen konnten.
Richter Larry Paul Fidler ließ Spector unmittelbar nach dem Schuldspruch in Haft nehmen. Staatsanwalt Alan Jackson hatte den Produzenten in seinem Abschlussplädoyer als exzentrischen Waffennarr dargestellt, der schon mehrfach Frauen mit einer Waffe bedroht habe, die nicht mit ihm ins Bett gehen wollten. Der wichtigste Zeuge der Anklage, Spectors Chauffeur, berichtete, dass der Produzent in der Tatnacht mit einer Pistole in der Hand aus dem Haus gekommen sei und gesagt habe: "Ich glaube, ich habe gerade jemanden umgebracht."
Clarksons Familie begrüßte den Schuldspruch. Die Angehörigen der Schauspielerin wollen auch noch einen Zivilprozess um Schadensersatzzahlungen gegen Spector anstrengen. Sollten sie vor Gericht Erfolg haben, muss der 69-Jährige mit einer Entschädigungszahlung in Millionenhöhe rechnen.


Spector gilt als einer der einflussreichsten Produzenten im Bereich der Rock- und Popmusik. Er ist der Erfinder der legendären "Wall of Sound"-Aufnahmetechnik. 1970 produzierte er die unvollendeten "Get Back"-Sessions der Beatles und fertigte daraus - unter massivem Einsatz von Streichern und Chören - das Album "Let it Be". Vor allem Paul McCartney war über diese Eingriffen des Produzenten nicht glücklich - 2003 kam mit "Let it be... naked" eine neue Abmischung auf den Markt, ohne die Phil-Spector-Zutaten.
Nach dem Split der Beatles nahm Spector zwischen 1970 und 1972 mehrere Solo-Alben von John Lennon und George Harrison auf, darunter "Imagine" und "All Things Must Pass". Auch "Seasons of Glass", Yoko Onos erstes Album nach der Ermordung von Lennon, wurde von Spector produziert.



Quelle: Photo:EPA