Dienstag, Februar 16, 2010

Erwin Ross -der Rubens der Reeperbahn ist tot!!!!

Erwin Ross, der "Rubens von der Reeperbahn", ist tot - Sein Sohn will das gemalte Erbe des Vaters mit einem Museum würdigen

Foto:G.Zint,St.Pauli Museum

Er starb an Domenicas erstem Todestag. Auf den Tag genau und sogar im selben Krankenhaus, dem AK Altona, wo am 12. Februar vergangenen Jahres die wohl bekannteste Ex-Hure Deutschlands starb, ging nun auch einer ihrer langjährigen Wegbegleiter: Erwin Ross, der Kultmaler vom Kiez, der sich mit seinen kurvigen Aktmodellen den Ruf des Rubens von der Reeperbahn einbrachte, starb am Freitag infolge einer Infektion. Das Malen war sein Leben. "Wenn ich den Pinsel abgeben muss, dann werde ich auch gleich 'den Löffel abgeben'", sagte er seinem Freund Günter Zint. Erwin Ross wurde 83 Jahre alt.



Mit Erwin Ross verliert der Kiez ein weiteres Urgestein. Er war es, der der sündigen Meile ein Gesicht gab. Ein buntes, verruchtes, mit viel nackter Haut und vielen Kurven. Sein berühmtestes Werk sind wohl die gespreizten Frauenbeine an der Tür zur legendären Kiez-Kneipe "Ritze". Aber auch die Straps-Damen, die auf den Türen der Reeperbahn-Etablissements um Männer werben und das Skyline-Bühnenbild im "Star Club" vor dem die Beatles groß wurden - sie alle stammen aus seinem Pinsel.
Photo:Press

 Erwin Ross, der 1926 in Wrietzen an der Oder geboren wurde, lernte zunächst Autoschlosser. Sein Zeichentalent entdeckte er als Zeitvertreib in englischer Kriegsgefangenschaft. 1950 wurde er Plakatmaler bei der Konsum-Genossenschaft im Brandenburgischen Eberswalde, wo er unter anderem Fischwerbung zeichnete.
Seine Meerjungfrauen hatten für den sozialistischen Geschmack jedoch zu viele Rundungen. Nach einer Verwarnung wegen "freizügiger Maltechnik" machte der junge Mann nach "Drüben". 1955 kam er als Hafenarbeiter nach Hamburg, ein Jahr später macht er seine erste Galerie in der Großen Freiheit auf. Bühnendekorationen für die Bordelle und Varietés hat Erwin Ross gestaltet, er malte Plakate und Werbetafeln - bevorzugt mit vollbusigen Damen. "Man kann schließlich keine Landschaft auf die Fassade pinseln, wenn drinnen eine Sex-Show läuft", sagte er mal.
In der Nachkriegszeit, als das Amüsiergewerbe boomte, entwarf und gestaltete Ross viele Etablissements, dazu gehörte etwa die Tabu-Bar und das legendäre Kolibri in den späten Fünfziger Jahren. Gegen Ende der Sechziger Jahre hatten Oswald Kolle und Beate Uhse die Bastionen der Moralhüter erobert - und Ross' erotische Darstellungen konnten erstmals auf offener Strasse gezeigt werden. In den Neunzigern, als es im Geschäft mit der Liebe nur noch um die schnelle Nummer ging, wurde es ruhig um den Maler. "Erwin malte erotische Frauen, die Porno-Bewegung widersprach ihm", erinnert sich Günter Zint. Seine Bilder wurden zum Sinnbild einer vergangenen Zeit: Für die TV-Serie "Der König von St. Pauli" malte er Werbefiguren, für die Bavaria St. Pauli Brauerei entwarf er eine Serie von Etiketten.
Bei aller Vorliebe für die Huren - treu war der pinselnde Chronist der Sünde immer nur seiner Gisela. Verewigt sind ihre Schenkel am Eingang der Ritze. Sie starb 1986. Gesundheitlich ging es ihm in den letzten Jahren zunehmend schlechter. 2006 bekam er drei Bypässe, 2007 wurde er von einem Rettungswagen angefahren.
Ein Termin für seine Beerdigung soll noch diese Woche gefunden werden. Fest steht für seinen Sohn, Jürgen Ross, bis jetzt nur eines: Dass er seinem Vater, der weit mehr als 1000 Pin-ups kreiert hat, mit einem kleinen Museum ein Denkmal setzen möchte. "Im Idealfall auf der Reeperbahn natürlich", sagt er.
Quelle:Welt.de